Je einfacher Fördergesuche vorbereitet werden können, desto anspruchsvoller wird Stiftungskommunikation. Sie macht nicht nur sichtbar, wofür eine Stiftung steht. Sie trägt dazu bei, dass die richtigen Gesuche bei der richtigen Stiftung eingereicht werden.
Die Zahl der Gesuche ist deutlich gestiegen. Das beobachten viele Förderstiftungen. Das ist zunächst eine gute Nachricht. Sie zeigt, dass der Bedarf an Förderung gross ist und Stiftungen als wichtige Partner wahrgenommen werden. Gleichzeitig steigt damit auch der Aufwand, jedes einzelne Gesuch sorgfältig zu prüfen.
Auffällig ist jedoch noch etwas anderes. Noch nie war es so einfach, Informationen über Förderstiftungen zu finden. Öffentliche Daten aus dem Handelsregister, Stiftungsverzeichnissen oder Websites lassen sich heute in wenigen Sekunden zusammentragen. Gleichzeitig unterstützen digitale Plattformen Organisationen dabei, passende Förderstiftungen zu identifizieren und Fördergesuche effizient vorzubereiten.
Für Stiftungen verändert sich dadurch jedoch die Ausgangslage. Je einfacher Fördergesuche vorbereitet werden können, desto wichtiger wird es, dass Organisationen verlässlich einschätzen können, ob ihr Vorhaben zur Förderpraxis einer Stiftung passt. Stiftungszwecke sind oftmals bewusst offen formuliert. Sie sollen einer Stiftung den notwendigen Entwicklungsspielraum geben. Für die Beurteilung der Förderpraxis reicht der Stiftungszweck jedoch meist nicht aus. Auch Stiftungswebsites bleiben häufig allgemein. Welche Themen tatsächlich Priorität haben, welche Projekte bewusst nicht unterstützt werden oder welche Förderansätze im Mittelpunkt stehen, wird oft nur am Rand erläutert.
Wo Orientierung fehlt, bleibt geldsuchenden Organisationen oft nichts anderes übrig, als zu interpretieren, ob ihr Vorhaben zur Stiftung passen könnte.
Spätestens hier erhält Stiftungskommunikation eine neue Bedeutung. Sie dient nicht mehr nur dazu, über Projekte zu berichten oder die Sichtbarkeit einer Stiftung zu erhöhen. Sie steuert Erwartungen. Sie schafft Orientierung und hilft Organisationen einzuschätzen, ob ein Vorhaben tatsächlich zum Förderauftrag passt. Welche Fragen gute Stiftungskommunikation beantworten sollte, zeigen wir im Beitrag «Leitfragen für sinnvolle Stiftungskommunikation – Klarheit vor Kanal».
Gute Stiftungskommunikation zeigt nicht nur, was eine Stiftung fördert. Sie macht auch verständlich, was nicht zum Förderauftrag gehört, welche Prioritäten gelten und nach welchen Überlegungen Förderentscheide getroffen werden. Das spart auf beiden Seiten Zeit. Stiftungskommunikation soll nicht möglichst viele Gesuche auslösen. Sie soll dazu beitragen, dass die passenden Gesuche eingereicht werden.
Wer Stiftungskommunikation vor allem als Website, Jahresbericht oder LinkedIn versteht, greift deshalb zu kurz. Die eigentliche Frage lautet: Welche Erwartungen wecken wir mit dem, was wir über unsere Stiftung kommunizieren?
